Fortsetzung Teil III: Bestehende Regularien und Verbände

3. Bestehende Regularien und Verbände des eSports

In Deutschland gründete sich bereits 2003 der Deutsche eSport Verband (DeSpV) und kurz darauf der Deutsche eSport Verband e.V. (DeSV), beide mit dem Ziel, das Ansehen des eSports zu verbessern, Ligen miteinander zu verknüpfen und ein einheitliches Regelwerk zu schaffen. Beide Verbände schlossen sich 2004 zusammen. Aus diesem Zusammenschluss erwuchs 2010 der Deutsche eSport-Bund, der jedoch seit 2011 inaktiv ist. Seit Sommer 2016 vertritt der BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) in Zusammenarbeit mit Entwicklern, Publishern, Veranstaltern und Anbietern über eSports.biu die Interessen der Branche und versucht vor allem die Akzeptanz des eSports in Gesellschaft und Politik zu fördern. BIU und ESL haben jetzt als Gründungsmitglieder im November 2017 den eSport-Bund Deutschland (ESBD) gegründet, der sich als deutscher Dachverband des eSports versteht und die bestehende Repräsentationslücke des elektronischen Sports im deutschen Verbandswesen schließen soll.

Daneben gibt es in Deutschland die ESIC, die „eSports-Integritäts-Koalition, ein Zusammenschluss von Unternehmen und Organisationen der eSports-Szene. Sie kämpft gegen Doping-, Wett- und Softwarebetrug und bemüht sich insbesondere um eine engere Anbindung an die World Anti Doping Agency (WADA). ESIC, deren Gründungsmitglied die ESL ist, hat im Kampf gegen Doping zum Beispiel im Sommer 2017 bei der ESL One Cologne Speichelproben durchgeführt.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel in China, Südkorea, Iran, Vietnam, Russland, Italien oder Finnland, sind nationale „eSports-Verbände“ allesamt von ihren nationalen olympischen Komitees als Verbände aufgenommen.

Auf internationaler Ebene gibt es seit 2008 die International eSport Federation (IeSF) mit Sitz in Südkorea, die sich für heute 48 Nationen (seit Inaktivität des Deutschen eSport-Bundes ohne Deutschland), weltweit um die Anerkennung des eSports als Sport einsetzt und einheitliche Regularien und Standards schaffen will. Die IeSF ist seit 2013 Mitglied in der WADA und seit 2015 Partner mit der International Association of Athletics Federations (IAAF).

Daneben hat die ESL als die weltweit wichtigste eSports-Organisation zusammen mit acht Profi Teams (Fnatic, Natus Vincere, EnvyUs. Virtus.Pro, Gamers2, Faze, mousesports und Ninjas in Pyjamas) im Mai 2016 den internationalen Dachverband „World ESports Association“ (WESA) mit Sitz in der Schweiz gegründet. Zwischenzeitlich sind weitere Teams hinzugekommen, wie z.B. die SK Gaming oder Renegades aus den USA.

WESA stellt einen weiteren Versuch zur Strukturierung des stetig wachsenden eSports dar. Die WESA versteht sich als Dachverband des eSports und orientiert sich in ihrer Organisation und den Aufgaben an traditionellen Spotverbänden mit dem Ziel allgemeingültige Regularien, bspw. für Spielertransfers zu schaffen. Sie will zudem eine Gewinn- und Umsatzbeteiligung der Teams an den ausgewählten Turnieren etablieren, kalkulierbare Zeitpläne für Fans erstellen oder Streitigkeiten über ein Schiedsgericht klären. Finanzieren soll sie sich über Vermarktungserlöse. Einige sehen daher in WESA eine Art FIFA oder hinterfragen kritisch die grundsätzliche Motivation des Verbandes, dem sich Big Player (wie Riot oder Valve) bislang nicht angeschlossen haben.

Außerdem zweifeln viele Vertreter der Szene grundsätzlich am Funktionieren eines Dachverbandes im eSports. Selbst wenn die Teams sich in einer solchen Struktur einordnen, bliebe an oberster Stelle der Hierarchie immer noch der Spielehersteller, der alleine über die Lizenzierung seines Spieles bestimmt und seine Kontrolle nur ungern abgeben wird.

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